Neriage - Keramik Angela Burkhardt - Guallini |
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Denn da begegne ihr gleichsam ein anderes Gesicht als jenes, das sie während des Trocknens mit grosser Sorgfalt und Aufmerksamkeit begleitet habe. Sie arbeitet ausschließlich mit feinstem Porzellan. Und sie scheut sich nicht, auch auf die praktischen Vorteile hinzuweisen. Mit einer dünnen Glasur versehen, sind ihre Teller und Schalen spülmaschinenfest, also unkompliziert im Gebrauch, und können am täglichen Leben der Menschen aktiv teilnehmen. Ihrer Schönheit tut dies in keiner Weise Abbruch, im Gegenteil.Den Porzellanton färbt Angela Burkhardt-Guallini mit verschiedenen Farbkörpern selbst ein. Nach dem Vorbereiten, Gestalten und Trocknen brennt sie ihre Arbeiten, dies mehrmals, bei jeweils etwa 100 Grad höherer Temperatur; der Schlussbrand erfolgt bei 1260 Grad. Dazwischen schleift sie mit immer feineren Mitteln, zuletzt ist es nurmehr ein sanftes Polieren mit weichen Filzpads. Vergleicht man ihre früheren mit den späteren Arbeiten werden zwar die Treue zu ihrer „Linie", zur Kraft des Beständigen, aber auch Unterschiede deutlich. Ihre frühen Arbeiten zeichnen sich durch eine Genauigkeit aus, die staunen lässt, wenn man die Tücken bedenkt, die die Neriage-Technik bereithält. Sie erinnern an Konkrete Malerei, der ja nichts „wirklicher ist als eine Linie, eine Farbe oder eine Fläche", wie es Theo van Doesburg schon 1924 formuliert hat. Perfekt sind die Muster aufeinander abgestimmt, es schwindelt einen bei der Vorstellung, welche Konzentration dafür aufgebracht und über lange Zeit erhalten werden muss. 1999 gab es noch leuchtende Farbkontraste, Gelb und Schwarz, aber auch Weiß, kombiniert mit Rot oder Blau. Die Muster sind sehr dekorativ, modern: Quadrate, Rechtecke, Streifen, immer zweifarbig, abwechselnd, gespiegelt, im Zickzack laufend, breiter und schmaler, hälftig geteilt ... Bis 2005 hat sich die Palette auf Anthrazit, Weiß und Grau reduziert, dafür sind die Muster feiner geworden, die strenge Geometrie hat sich gelockert: Geschwungene, schmale Linien, wechselnd schmale und breitere Streifen - Gräser fallen einem ein, gebänderte Felsen, Schlagschatten an einem Spätsommerabend. Ihre neueren Arbeiten sind spürbar stärker von der Natur angeregt. Die Schönheit ihrer flachen Schalen, die so ganz ohne Zierat auskommen, spricht uns unmittelbar an. Die Entwicklung über die Jahre stellt sich als zunehmende Bereicherung und als Lockerung dar. Die Linien werden feiner, die Muster zarter, und biegsame Flachwellen entschweben nun über Formen, die kaum noch eine gerade Kante aufweisen. Schwarz, Weiß und Anthrazit dominieren, allenfalls ein helles Eisblau, ein trockenes Grün wie von Schilf oder Wüstengras. Und je mehr die Farben verblassen, desto weicher und schmiegsamer werden die Formen. Ein Spannungsfeld, das neue Horizonte erschließt, ist es doch eine doppelte Bereicherung: Reduktion als Nährboden für lebendige Bewegung. |
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